Legal Briefing
Entgelttransparenz 2026

Was Arbeitgeber jetzt über Entgelttransparenz wissen müssen.

Das deutsche Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) ist seit 06.07.2017 in Kraft. Mit der EU-Richtlinie 2023/970 kommen erhebliche neue Pflichten — Umsetzungs­frist in nationales Recht: 07.06.2026. Die konkrete Geltung in Deutschland hängt von der nationalen Umsetzung ab.

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Unsere Einschätzung

In vielen Konzernen liegt das größte Risiko aktuell nicht im Gesetz selbst, sondern in historisch gewachsenen Gehaltsentscheidungen ohne nachvollziehbare Systematik — und damit in fehlender Beweisbarkeit der Gleichbehandlung.

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Seite 1 — Bestand & Neu, Haltung
Seite 1Recht
Seite 2 — Kernzahlen, Pflichten-Matrix, Timeline
Seite 2Pflichten
Seite 3 — Sanktionen & Empfehlungen
Seite 3Sanktionen
Seite 4 — Wer operativ betroffen ist: GF, HR, FK, Controlling, BR
Seite 4Rollen
Seite 5 — Readiness-Check: 6 Signale für Handlungsbedarf
Seite 5Readiness

Kernzahlen

07.06.2026
Umsetzungsfrist EU-RL in nationales Recht
100+
Beschäftigte: Berichtspflicht greift gestaffelt
5 %
Pay-Gap-Schwelle Joint Pay Assessment — wenn nicht objektiv und geschlechtsneutral gerechtfertigt und 6 Monate unkorrigiert
3 J.
Mind. Verjährungsfrist Schadensersatz (Art. 21)

Wer im Unternehmen operativ betroffen ist

Entgelttransparenz ist kein reines HR-Thema. Mehrere Unternehmens­bereiche tragen operative Verantwortung — mit unterschiedlichem Vorbereitungs- und Sensibilisierungs­bedarf.

GF

Geschäftsführung  ·  Strategischer Rahmen

Setzt Governance, Risikomanagement und Ressourcen. Verantwortet die organisatorische Vorbereitung und entscheidet über Budget, Tempo und externe Beratung. Trägt das Reputations- und Haftungsrisiko bei unzureichender Vorbereitung.

HR
HR / People & CultureVergütungssystematik & Auskunft
Typische Verantwortung
  • Gehaltsstrukturen & Stellenbewertung
  • Auskunftsverfahren & Dokumentation
  • Equal-Pay-Analysen & Recruiting-Prozesse
Worauf typischerweise zu achten ist
  • Lückenhafte Bewertungs­systematik für gleichwertige Tätigkeiten
  • Auskunftsfristen und Beweisbarkeit der Compliance
Typischer Vorbereitungsbedarf Job Architecture, Auskunftsprozess, Pay Audit, Recruiting-Anpassung, Sensibilisierung des HR-Teams.
FK
FührungskräfteHier entstehen die meisten operativen Risiken
Typische Verantwortung
  • Gehalts-, Bonus- und Beförderungs­entscheidungen
  • Leistungs- und Potenzial­bewertungen
  • Begründung & Kommunikation gegenüber Beschäftigten
Wo das Risiko in der Praxis entsteht
  • Individuelle Gehaltszusagen & spontane Verhandlungen
  • Uneinheitliche Leistungs­bewertungen über Teams hinweg
  • Unbewusste Biases und nicht dokumentierte Begründungen
Typischer Vorbereitungsbedarf Sensibilisierung zu Biases, einheitliche Bewertungs­grundlagen, dokumentierte Entscheidungs­logik, Gesprächs­leitfäden.
CF
Controlling / FinanceDaten, Reporting, Nachweisfähigkeit
Typische Verantwortung
  • Vergütungsdaten & Datenqualität
  • Reporting & Kennzahlen­ermittlung
  • Audit-Trail & Nachweisfähigkeit
Worauf typischerweise zu achten ist
  • Inkonsistente Datenbasis & fehlende Auswertbarkeit nach Geschlecht/Tätigkeit
  • Mangelnde Reproduzierbarkeit der Berichts­zahlen
Typischer Vorbereitungsbedarf Reporting-Strukturen aufbauen, Datenmodell prüfen, Schnittstelle HR ↔ Finance abstimmen.
BR
BetriebsratMitbestimmung & Beteiligung
Typische Verantwortung
  • Mitbestimmung bei Vergütungssystemen
  • Beteiligung an Auskunfts- und Bewertungs­verfahren
  • Unterstützung der Beschäftigten
Worauf typischerweise zu achten ist
  • Unklare Rolle bei Joint Pay Assessments (Art. 10 RL)
  • Vertrautheit mit neuen Beteiligungs­rechten
Typischer Vorbereitungsbedarf Vertraut machen mit neuen Rechten/Pflichten, Verfahren für gemeinsame Bewertungen, BR-Schulungen.

Die genannten Rollen, Risiken und Vorbereitungs­schritte stellen typische Erfahrungs­werte dar. Konkrete Pflichten ergeben sich aus dem jeweiligen Unternehmens­kontext und der nationalen Umsetzung der EU-Richtlinie 2023/970.

Readiness-Check  ·  Woran Sie Handlungsbedarf erkennen

Diese Signale tauchen in Audits regelmäßig auf — auch in gut geführten Konzernen. Je mehr Punkte zutreffen, desto höher der Vorbereitungs­bedarf.

01

Gehälter wurden historisch individuell verhandelt

Es gibt keine durchgängige Logik, warum vergleichbare Rollen unterschiedlich vergütet werden — sondern primär den Verlauf einzelner Verhandlungen.

02

Keine klaren Gehaltsbänder pro Rolle/Level

Es existieren keine dokumentierten Spannen, oder die Bänder sind in der Praxis so breit, dass sie keine Steuerung leisten.

03

Rollen sind nicht sauber vergleichbar

Job Architecture, Tätigkeits­bewertung und Leveling sind uneinheitlich oder fehlen — „gleichwertige Arbeit" lässt sich nicht objektiv begründen.

04

Führungskräfte entscheiden unterschiedlich

Bei Boni, Beförderungen und Gehalts­anpassungen variieren Maßstäbe und Begründungs­tiefe von Team zu Team und Führungs­kraft zu Führungs­kraft.

05

Dokumentation fehlt oder ist verteilt

Begründungen für Gehalts­entscheidungen liegen mündlich, in E-Mails oder gar nicht vor — eine nachträgliche Beweis­führung ist aufwendig.

06

Stellenbeschreibungen sind uneinheitlich

Anforderungen, Verantwortungs­umfang und Kompetenz­erwartungen werden je Stelle ad hoc verfasst — eine systematische Vergleichbarkeit ist nicht gegeben.

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Was jetzt zählt: Beweisbarkeit der Systematik.

Die operative Vorbereitung entsteht nicht über Nacht. Wer 2026/2027 belastbar reporten, Auskunfts­anfragen sauber beantworten und Joint Pay Assessments aushalten will, beginnt jetzt — bei Job Architecture, Daten­modell und Führungs­kräfte-Konsistenz.

Inhalt des Briefings